Reisetagebuch

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Seekrankheit : + seekrankheitsbrille

© Tages-Anzeiger; 2001-08-28

Wenn das Meer den Menschen krank macht

Wer seekrank wird, braucht sich nicht zu schämen. Die meisten Astronauten kämpfen mit dem Übel. Von Barbara Vonarburg Werden Passagiere blass, haben sie kalte Schweissausbrüche, klagen sie über Kopfschmerzen und Übelkeit, so rät Schiffsarzt Friedrich Kreusler als Erstes zu frischer Luft: "Gehen Sie nicht nach unten ins Bett, sondern nach oben an Deck", sagt Kreusler, der auf Kreuzfahrten mit der MS "Europa" oder dem Luxussegelschiff "Sea Cloud" schon viele Passagiere behandelt hat. Freie Sicht auf den Horizont und die Wellen hilft, die Bewegungen des Schiffs besser mitzuvollziehen. "Im Grunde ist die Seekrankheit ein Anpassungsproblem", sagt der Arzt. Schaukelt das Schiff, liefern die Sinnesorgane ungewohnt widersprüchliche Informationen an das Gehirn. Das Gleichgewichtsorgan im Innenohr meldet andauernd Bewegungswechsel, die Augen sehen jedoch keine Veränderungen, und auch die restliche Körperwahrnehmung signalisiert, dass man still sitzt. Der Konflikt der Sinneswahrnehmungen führt vorerst zu Müdigkeit, später zu Schwindel und oft zum Erbrechen. Eine kurvige Autofahrt oder ein turbulenter Flug können die gleiche Wirkung haben. Man spricht dann von Reise- oder Bewegungskrankheit, im Fachjargon Kinetose genannt. Wer als Beifahrer im Auto liest, sieht fixe Buchstaben. Die Augen melden Stillstand, während das Innenohr Bewegung registriert - ein Widerspruch, der das Gehirn überfordert. Selbst ein schlingerndes Kamel kann das Elend herbeiführen. So soll Lawrence von Arabien beim Kamelritt durch die Wüste reisekrank geworden sein. Dem Ingenieur Carl Julius Bach setzte 1873 die Fahrt auf einer Kanalfähre zwischen Frankreich und England so zu, dass er - wieder an Land - eine ausführliche Skizze für einen Kanaltunnel anfertigte, mehr als 100 Jahre bevor diese Idee zur Wirklichkeit wurde. Ein anderer Geplagter schrieb 1801 an seine Geliebte: "Ich bin so schrecklich seekrank, dass ich meinen Kopf nicht mehr aufrecht halten kann. Ich hasse es, auf See zu gehen." Die Zeilen stammen von Lord Nelson, dem berühmten Admiral der englischen Kriegsflotte, der vier Jahre später in der Schlacht von Trafalgar fiel. Reisekrank im All Doch auch die Helden unserer Zeit leiden unter der Reisekrankheit. Mehr als die Hälfte der Astronauten haben während der ersten paar Tage im All mit ähnlichen Symptomen zu kämpfen, wie sie Seekranke erfahren. Deshalb untersucht die Nasa das Phänomen eingehend. Charles Oman, in der Freizeit passionierter Segler, ist Leiter einer entsprechenden Forschergruppe am Massachusetts Institute of Technology (MIT). "Selbst eine milde Form von Bewegungskrankheit reduziert die Aufmerksamkeit der Betroffenen", sagt Oman. Zwar seien die Auswirkungen der Krankheit auf das US-Raumfahrtprogramm bisher minimal gewesen, schreibt die Nasa. Aber in Extremfällen könne wiederholtes Erbrechen einen Astronauten dehydrieren. Bei den ersten Raumfahrtmissionen trat das Problem noch gar nicht auf. Die Astronauten konnten sich in ihren Mercury- und Gemini-Kapseln kaum bewegen und sahen zudem immer hinaus. Die Sinneswahrnehmungen gerieten nicht durcheinander. Anders in den grösseren Apollo- und Skylab-Raumschiffen und der Internationalen Raumstation ISS, die dereinst sieben Astronauten Platz zum Arbeiten und Wohnen bieten wird. In der Schwerelosigkeit muss das Gehirn erst lernen, nicht mehr dem Gleichgewichtssinn, sondern ganz den Augen zu vertrauen, wenn es zu entscheiden gilt, wo oben und wo unten ist. Erstaunlich ist, dass die Forscher bis anhin nicht vorhersagen können, welche Crewmitglieder bei einem Raumflug bewegungskrank werden und in welchem Ausmass. "Einige Astronauten, die während Jetflügen eine ausserordentlich geringe Anfälligkeit für Bewegungskrankheit zeigen, leiden unter den schlimmsten Symptomen, wenn sie im All ankommen", schreibt die Nasa. Ähnliches gilt für die Seekrankheit. Wer annimmt, Frauen seien anfälliger dafür, liegt falsch. "Frauen geben eher zu, dass sie sich schlecht fühlen", sagt Charles Oman. Alte Hausmittel Rezepte gegen Seekrankheit gibt es viele. Einige schwören auf Salzbretzel, Honig oder Bananen, andere auf rohe Rüebli, nach Hasenart gemümmelt. "Das Einfachste ist Ingwer", sagt Schiffsarzt Kreusler, in einem Frühstadium beruhige dies den Magen. Matrosen sollen früher Ingwerwurzeln gekaut haben, heute gibt es ein pflanzliches Heilmittel mit gemahlenem Ingwer zu kaufen. Ob die scharfe Wurzel tatsächlich bei Seekrankheit hilft, wurde in den vergangenen Jahrzehnten in verschiedenen Studien untersucht. Die Resultate sind widersprüchlich. Das Gleiche gilt für Bänder, die man sich ums Handgelenk legt. Sie sollen einen Akupressurpunkt anregen, was angeblich dämpfend und krampflösend wirkt. Es gibt sogar Bänder, die den Punkt am Handgelenk elektrisch stimulieren. "Wenn ich Vorträge halte, treffe ich immer wieder Leute, die auf solche Bänder und Ähnliches schwören", sagt Charles Oman. Aber Studien der britischen und der US-Marine hätten keinen Effekt ausser der Placebo-Wirkung festgestellt. Trotzdem meint er: "Wenn Sie solche Bänder ausprobieren wollen und bereit sind, an deren Wirkung zu glauben, probieren Sie es. Aber erwarten Sie keine Wunder." Besser fährt man auf See nach Ansicht der Fachleute mit einem der zahlreichen chemischen Heilmittel gegen Reisekrankheit. Die Astronauten erhalten jeweils Spritzen, die nach Aussagen von Oman aber schmerzhafte Einstichstellen hinterlassen, "was für Segler ein grösseres Problem wäre als für Astronauten, die sich ja nicht setzen müssen". Friedrich Kreusler meint: "Es gibt eine ganze Bandbreite von Medikamenten." Besonders häufig empfohlen wird Stugeron, dessen Wirkstoff Cinnarizin die Durchblutung des Gleichgewichtsorgans fördert. Es gibt aber auch die Glücklichen, die selbst bei hohem Wellengang und misslichsten Bedingungen nie seekrank werden. Der Schweizer Skipper Dominique Wavre gehört dazu. Er hat im Februar die härteste Einhand-Weltumseglungsregatta Vendée Globe als Fünfter beendet. Seine Lebensgefährtin Michèle Paret, ebenfalls erfahrene Einhand-Seglerin, gibt hingegen zu, dass es ihr bei Bootsüberführungen auch schon ein paar Stunden schlecht geworden sei. "In einem Rennen ist mir das aber nie passiert", wahrscheinlich aus psychologischen Gründen, weil man seine gesamte Aufmerksamkeit fokussieren müsse, vermutet sie. Alle, die mit Seekrankheit zu kämpfen haben und sich dabei jeweils sterbenselend fühlen, tröstet Friedrich Kreusler mit der folgenden Erfahrung: "Sowie das Schiff weniger schaukelt oder im Hafen anlegt, ist alles verflogen."